SAP R/3 mit vergleichsweise schlechter Usability
Trotz der weiten Verbreitung von ERP-Systemen, beachten Anwenderunternehmen den Aspekt Usability kaum. Zu diesem Ergebnis kommt laut dem Artikel “SAP R/3 unterliegt in Sachen Usability” in der Computerwoche eine Untersuchung der Fakultät Betriebswirtschaft an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
Diese Erkenntnis sei insbesondere vor dem Hintergrund unverständlich, als die Benutzer einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit mit den ERP-Systemen verbrächten. Zudem hänge die Effizienz dieser Arbeit auch maßgelich von der Benutzerfreundlichkeit der Software ab.
Probleme in der Bedienbarkeit von Business-Software sind jedoch nach Aussage des Betriebswirtschaftlichen Lehrstuhls keine Seltenheit. Dabei sind rund 60 Prozent der Mängel dieser Software auf deren mangelnde Usability zurückzuführen. Schätzungen zufolge werden 20 Prozent der Arbeitszeit am ERP-System aufgrund vermeidbarer Benutzungsprobleme nicht sinnvoll genutzt.
Die Misere könne nur gemeistert werden, wenn im Entwicklungsprozess die Qualität der Interaktion zwischen Mensch und Software wesentlich stärker in den Vordergrund rücke, so die Innsbrucker Fakultät. Während der zurückliegenden Jahre ist der Entwicklungsanteil des User Interface - was die Menge des Codes und den zeitlichen Aufwand betrifft - kontinuierlich gewachsen. Folglich werde auch die Qualität der Benutzerschnittstelle immer wichtiger für den Erfolg eines Softwareprodukts. Es sollten daher mindestens zehn Prozent des Entwicklungsbudgets für ergonomische Gesichtspunkte aufgewendet werden. Aufgrund des vorhandenen Nachholbedarfs könne jedoch davon ausgegangen werden, dass dieser Anteil auf bis zu 20 Prozent steigen müsse.
Angesichts dieser Ausgangslage wurde an der Fakultät Betriebswirtschaft der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ein Usability-Test für ERP-Systeme (UTE) entwickelt, um einen Vergleich der Benutzerfreundlichkeit zwischen verschiedenen Produkten zu ermöglichen.
Im ersten Prüflauf unterlag SAPs R/3 gegen “Semiramis” von C.I.S., das sich gegenüber der SAP-Lösung durch eine höhere Usability auszeichnete, lautete das Fazit der Studie. Schwachstellen wurden bei R/3 vor allem im Bereich der Handhabung und Erlernbarkeit der Software aufgedeckt. So empfanden lediglich 30 Prozent der SAP-Nutzer die Handhabung der Software als einfach - im Vergleich zu 63 Prozent auf der Semiramis-Seite. Bezüglich einer schnellen und leichten Erlernbarkeit antworteten 57 Prozent der SAP-Benutzer, die ERP-Lösung sei nur zeitaufwändig zu lernen. Im Gegensatz dazu gaben rund 70 Prozent der Seramis-Nutzer an, das System sei leicht zu erlernen.